Alles (neuro)logisch? – Fragen an eine Neurologin

 

Woran denkst du, wenn du das Wort Neurologie hörst? Ich hatte die Möglichkeit mich mit Dr. Veronika Dorda – Fachärztin für Neurologie – zusammenzusetzen und ihr meine Fragen zu ihrer Arbeit und ihrem Fachgebiet zu stellen. Los geht’s:

Wie erlernt man diesen Beruf und wo arbeiten Neurolog*innen? 

Um Neurolog*in zu werden, muss man zuerst ein Medizinstudium absolvieren und anschließend eine Facharztausbildung im Bereich Neurologie abschließen. Nach der fertigen Ausbildung können Neurolog*innen (= Fachärzt*innen für Neurologie) in Spitälern und (Reha-) Kliniken arbeiten, oder auch in einer Ordination. Manchmal wird das Fachgebiet der Neurologie auch mit der Psychiatrie verwechselt, welche eine eigene Fachrichtung und -ausbildung darstellt. Als Neurologin befasse ich mich mit den körperlichen Erkrankungen des Nervensystems, eine Psychiaterin hingegen ist für psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen zuständig. Eine weitere wichtige Abgrenzung ist die zur Neurochirurgie. Anders als es manchmal in Filmen dargestellt wird, operieren Neurolog*innen nicht – Operationen werden von Neuro-Chirurgen durchgeführt.

Was gehört alles zum Fachgebiet Neurologie?

Die Neurologie ist zuständig für das zentrale Nervensystem (ZNS: Gehirn + Rückenmark) sowie für das periphere Nervensystem (PNS: Nerven) und beschäftigt sich mit der Behandlung aller Erkrankungen, die diese zwei großen Bereiche betreffen. Daher sind die zutreffenden Erkrankungen auch sehr vielseitig und umfassen unter anderem Epilepsie, Parkinson, Multiple Sklerose, Demenz, Muskellähmungen, Zittern, oder die Vor- und Nachsorge von Schlaganfällen. Außerdem kommen auch viele Patient*innen um das Auftreten von Kopfschmerzen (z.B. Migräne – eine Unterform von Kopfschmerzen) oder Schwindel abzuklären.

Wie sieht dein Alltag als Neurologin aus und was kann ich als Patient*in bei einem Arzttermin erwarten?

Patient*innen kommen entweder zu mir, um bestimmte Beschwerden und Symptome abklären zu lassen oder, um eine ärztliche Begleitung beziehungsweise Behandlung zu erhalten. Je nach Grund für den Arzttermin, kann dieser unterschiedlich aussehen. 

Zuerst erfolgt eine genaue Anamnese, das heißt es werden einem ganz viele Fragen zu den Beschwerden gestellt. Beim Erfassen des neurologischen Status und der Anamnese wird sehr strukturiert und genau vorgegangen, um die Probleme zu finden und zu lokalisieren. Ebenso wird der neurologische Status erfasst. Das ist eine Untersuchung von Kopf bis Fuß, vor der man sich nicht fürchten muss, sie tut nicht weh. Es werden Pupillen, Reflexe und Gangbild kontrolliert und kurze, einfache Tests gemacht, beispielsweise der Versuch mit dem Finger die eigene Nase zu berühren. Manchmal, wenn es sinnvoll oder notwendig ist, werden noch weitere Untersuchungen gemacht. Das können unter anderem sein: ein Ultraschall der Halsgefäße, eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG), eine Messung der Muskelaktivität – also eine Elektromyographie (EMG), oder eine Messung der Hirnaktivität – ein Elektroenzephalogramm (EEG). Weiters können auch bildgebende Verfahren eingesetzt werden, wie eine Magnetresonanztomographie (MRT), welche Schnittbilder des menschlichen Körpers erzeugt. In diesem Fall werden die Patient*innen für die Untersuchung zu einem*r Radiolog*in geschickt und kommen dann anschließend mit den Ergebnissen wieder. Leider dauert es manchmal lange, um eine ordentliche und genaue Anamnese sowie Diagnose zu bekommen. Doch bevor man in weiteren Schritten über Behandlungsmöglichkeiten sprechen kann, ist es zuerst wichtig das Problem zu finden und zu lokalisieren. 

Neben der Abklärung von Symptomen bin ich auch für die Begleitung und Behandlung von neurologischen Erkrankungen zuständig, dazu gehört zum Beispiel das Verschreiben von Medikamenten oder die Modifikation der Lebensweise. Eine regelmäßige Betreuung – zum Beispiel bei Kopfschmerzen oder Parkinson - ist wichtig, um Kontrollen und Anpassungen durchzuführen. Bei Kopfschmerzen ist es besonders wichtig die Form der Schmerzen abzuklären und richtig zuzuordnen. Ist es entweder ein Spannungskopfschmerz oder Migräne? Je nachdem kann die Begleitung und der weitere Verlauf einer Behandlung korrekt angepasst werden. Migräne ist eine der untertherapiertesten Erkrankungen, welche oft zu großem Leid oder Krankenständen führen kann. Doch mittlerweile gibt es verschiedene Behandlungsmethoden und Ansätze, welche auch prophylaktisch vorgehen und dazu dienen, mögliche Migräne-Anfälle vorzubeugen. Dazu fällt beispielsweise das Führen eines Kopfschmerzkalenders oder Anpassungen des Lebensstiles wie regelmäßiger Schlaf und die regelmäßige Einnahme von Mahlzeiten, da Hunger einer der Auslöser für die Schmerzen sein kann. Zusätzlich hilft es wenig Elektronikgeräte zu verwenden und regelmäßig Ausdauersport zu machen, 3x45 Minuten pro Woche kann die Häufigkeit um 50% reduzieren. 

Welche Dinge können wir alle in unserem Alltag einbauen, die für unser Gehirn gut und wichtig sind? 

Regelmäßige körperliche Bewegung hilft nicht nur bei gewissen Erkrankungen, sondern ist allgemein sehr wichtig für unser Gehirn. Sie fördert die Hirngesundheit und kann auch Demenz vorbeugen. Ebenso helfen eine ausgeglichene Ernährung sowie ein ausreichender, regelmäßiger Schlaf. Ein weiterer wichtiger Punkt ist kognitives Training. Unser Hirn muss gefordert werden, um fit zu bleiben. Das kann sein eine neue Sprache oder ein Musikinstrument zu erlernen und Dinge auszuprobieren, die eine Beidhändigkeit erfordern, wie zum Beispiel Klavierspielen oder andere Hobbys. Aber auch soziale, direkte Interaktionen mit Anderen, also „echte“ Gespräche „in real life“ zu führen, können einen positiven Einfluss auf unser Gehirn haben. Prinzipiell kann man sagen: Alles, was das Hirn fordert, ist ein gutes Muskeltraining für das Gehirn. 

Was ist dir als Neurologin wichtig, jungen Menschen mitzugeben?

Relevant zu wissen ist, dass Neurolog*innen nicht die richtige Anlaufstelle für Akutfälle wie zum Beispiel einen Schlaganfall sind, in diesen Fällen sind die Rettungskräfte und Notärzt*innen zuständig. Wichtig bei einem Schlaganfall: Er tut nicht weh, aber man kann ihn beobachten. Außerdem gilt: „time is brain“ – also so schnell wie möglich die Rettung anrufen! Der FAST-Test kann dabei helfen einen möglichen Schlaganfall zu erkennen und so schnell wie möglich zu reagieren.

Infobox: FAST-Test – so kannst du einen Schlaganfall erkennen:

  • Face (Gesicht): Bitte die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab, deutet das auf eine Halbseitenlähmung hin.
  • Arms (Arme): Bitte die Person, die Arme nach vorne zu strecken und dabei die Handflächen nach oben zu drehen. Bei einer Lähmung können nicht beide Arme gehoben werden, ein Arm sinkt oder dreht sich.
  • Speech (Sprache): Lass die Person einen einfachen Satz nachsprechen. Ist sie dazu nicht in der Lage oder klingt die Stimme verwaschen, liegt vermutlich eine Sprachstörung vor.
  • Time (Zeit): Bei Verdacht auf einen Schlaganfall zögere nicht und wähle so schnell wie möglich die Nummer der Rettung (Österreich: 144).

Was begeistert dich als Neurologin besonders an deinem Fachgebiet?

An der Neurologie begeistert mich, dass sie so vielseitig ist. Alles ist sehr klar aufgebaut und logisch. Alles ist erklärbar, wenn man weiß, was & wo das Problem ist.

Würdest du die Arbeit als Neurologin weiterempfehlen?

Ja, auf jeden Fall. Auch wenn die Ausbildung sehr lange dauert, ist es ein interessanter und erfüllender Beruf. Das Wohl meiner Patient*innen liegt mir sehr am Herzen, ich bemühe mich immer daran an einer guten Patient*innen-Arztbeziehung zu arbeiten. Insgesamt gehe ich meiner Arbeit mit sehr viel Freude und Überzeugung nach!

Vielen Dank! 

 

Elena Jenisch (25)

 

Quellen:

https://www.neurologie-stpoelten.at

https://www.schlaganfall-hilfe.de/de/verstehen-vermeiden/schlaganfall-erkennen/fast-test